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Donnerstag, 28. Juli 2011

Energieverbrauch pro Person

Seit Erfindung des Feuers benötigt der Mensch mehr Energie, als er rein über die Nahrung aufnimmt. Aber erst seit der verstärkten Industrialisierung im 19. Jahrhundert werden wesentliche Mengen von fossilen Energieträgern genutzt. In der heutigen Welt unterscheiden sich die Gesellschaften sehr stark durch ihren absoluten und spezifischen Energieverbrauch. Es gibt eine klare Relation zwischen materiellem Wohlstand und Energieverbrauch. So haben Länder mit geringem Bruttosozialprodukt tendenziell einen niedrigeren Energieverbrauch pro Person als reiche Länder, die oft ein vielfaches an Energie verbrauchen als arme Länder.

Abbildung: Im Vergleich zu anderen Industrieländern mit vergleichbarem Bruttosozialprodukt (GDP) ist der elektrische Energieverbrauch, mit 7762kWh/a  pro Person in Deutschland, mäßig.

Dabei spielt der Energiepreis in den jeweiligen Ländern eine erhebliche Rolle, wenn Energie sehr preiswert ist, wird auch relativ viel davon verbraucht.
Der Energieverbrauch in Deutschland ist im Vergleich zu den anderen Industrieländer im unterem Bereich [Quelle: Gapminder/IEA und andere]. Für jeden der 80 Millionen Einwohner Deutschlands wurden 7762 kWh (2006) Strom produziert. Davon wurden nur 2000 kWh privat verbraucht, fast die Hälfte des Stroms wird von der Industrie für die Herstellung von wertvollen Produkten benötigt. Handel und Gewerbe kühlen nicht zuletzt unsere Lebensmittel, öffentliche Einrichtungen wie Finanzamt und Klärwerk benötigen acht Prozent der elektrischen Energie um ihre Aufgabe zu bewältigen und der elektrische Bahnverkehr weitere drei Prozent zum Transport von Personen und Gütern. Ein Teil des produzierten Stroms, etwa zehn Prozent, geht in den Stromleitungen und Transformatoren bei der Verteilung verloren.  
Abbildung: Diese Herdplatte verbraucht genau so viel Strom, ~1kW, wie jeder Deutsche permanent an Strom verbraucht!

Berücksichtigt man, dass ein Jahr 356 Tage hat, dann nutzt jeder Deutsche im Durchschnitt permanent 886 W elektrischen Strom. Das entspricht mehr als fünf gleichzeitig laufenden Fernsehern oder einer Herdplatte, die immer eingeschaltet ist. Auch hier wieder, nur ein kleiner Teil des Verbrauchs findet im Privathaushalt statt, Strom wird von der Gesellschaft an sehr vielen Stellen, vom Krankenhaus bis zur Straßenbeleuchtung benötigt.

Stromverbrauch ist aber nur die Spitze des Eisbergs, wenn es um Energieverbrauch geht!
Für eine vollständige Betrachtung der Energieströme ist es sinnvoll, den Verbrauch aller Energieträger, Kohle, Braunkohle, Benzin, Öl, Gas unter den Begriff Primärenergie zusammenzufassen. Allerdings ist der Begriff etwas mehrdeutig, da auch Energieformen wie Wind, Wasserkraft, Solarenergie und Biomasse bei der Rechnung berücksichtigt werden. Der erzeugte Strom aus erneuerbare Quellen wird einfach dem Primärenergieverbrauch zugeschlagen. Unabhängig von einer exakten physikalischen Betrachtug. Erst durch die Analyse des Primärenergieverbrauchs erhält man ein vollständiges Bild von den Energieströmen die für die Aufrechterhaltung unseres Lebensstandards notwendig erscheinen.

Der Primärenergieverbrauch liegt bei 47.719kWh pro Jahr und Person, darin ist, wie bereits angemerkt, jede Form von Energie enthalten, unter anderem Erdöl, Steinkohle, Erdgas, umgewandelte Solarenergie und Windstrom und andere Energieformen. [http://goo.gl/VfUZM]

Rechnet man den Primärenergieverbrauch auf eine kontinuierliche Leistung um, so erhält man für jeden Deutschen eine Durchschnittsleistung von  5440 W oder 5,4 kW. Das entspricht dem Verbrauch eines Kleinwagens, der permanent durch die Landschaft fährt.
Will man die Energieversorgung ohne Einschränkungen des Komforts beibehalten, so muss eine zukünftige Energieversorgung diese Leistung liefern können. Einige argumentieren, dass in Zukunft erheblich Energie eingespart werden kann. Allerdings sollte man nicht übersehen, dass die Menschen immer mehr Komfort nutzen, nicht zuletzt, weil die Menschen im Durchschnitt älter werden. So hat sich der Kraftstoffverbrauch von Autos im Lauf von vierzig Jahren praktisch nicht verändert, obwohl die Motoren erheblich sparsamer wurden. Die zurückgelegte Strecke pro Einwohner ist erheblich gewachsen, was in der Summe zu einem Verbrauchswachstum geführt hat.
Eine weitere interessante Größe für die Bedeutung des Stromverbrauchs ist die Lebenserwartung in einem Land. Nur in Ländern, die mehr als 5.000kWh Strom pro Einwohner und Jahr verbrauchen, liegt die Lebenserwartung über 80 Jahre. Dies ist zumindest ein statistisch eindeutiger Zusammenhang wenn man den Daten der Weltbank glauben schenkt [http://goo.gl/aOCbc]. Es ist sehr schwer vorstellbar, dass es zukünftig eine Bereitschaft zum Energieeinsparen gibt, wenn man damit nicht die Lebensqualität und damit die Lebenserwartung erhalten oder steigern kann.

1 Kommentar:

  1. Interessante Berechnung. Vor allem, dass du auch die Energieverbräuche außerhalb von Zuhause mit aufgeführt hast. Daran denken viele nicht, sondern denken nur an den Enegrieverbrauch Zuhause. Nicht nur beim Stromverbrauch pro Person http://www.stromverbrauchpersonen.de/sparpotential gibt es Sparpotential, besonders im Bereich Wärme und vor allem in der Industrie kann man durch einfache Maßnahmen viel Energie sparen

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